1.1.1 Die Einstiegsmöglichkeiten




Am Ende der obligatorischen Schulzeit, also in der Regel nach dem neunten Schuljahr, treten die jungen Leute in die Sekundarstufe II ein. Es geht bei der Wahl, die sie zu diesem Zeitpunkt zu treffen haben, zunächst um einen grundsätzlichen Richtungsentscheid: Will ich weiterhin eine Schule besuchen oder neige ich eher zum praktischen Tun in einer beruflichen Grundbildung? Bringe ich genügend mit, um in die gewünschte Richtung zu gehen oder brauche ich noch Zeit oder zusätzliches Wissen, damit ich den zu erwartenden Anforderungen gerecht werden kann?

Es ist wichtig, den Entscheid sorgfältig vorzubereiten. Bei der Wahl z.B. zwischen Gymnasium und beruflicher Grundbildung darf nicht das Prestige eine Rolle spielen, der Entscheid soll auf Grund reiflicher Überlegungen getroffen werden. Die für die einzelne Person denkbar beste Variante zu finden, das ist das Ziel des Berufswahlprozesses. Folgende grundsätzliche Möglichkeiten bietet unser Bildungssystem an:

Brückenangebote. Aus verschiedenen Gründen kann ein Zwischenjahr sinnvoll sein:
Ist ein junger Mensch noch nicht so weit, einen Beruf zu erlernen oder eine bestimmte Schule zu besuchen, steht eine Reihe von Angeboten zur Verfügung: Berufliche Grundbildung. Wer den Berufsweg wählt, hat die Möglichkeit, sich in einem von zahlreichen Berufen ausbilden zu lassen. Eine erste Übersicht bietet die Gliederung der Berufe in "Berufsfelder". In ihnen werden die Einzelberufe in Gruppen zusammengefasst. Ein Beruf wird meistens in einem Lehrbetrieb mit parallelem Besuch der überbetrieblichen Kurse und der Berufsfachschule erlernt (duales System). Für verschiedene Berufe besteht aber auch die Möglichkeit, die Berufsbildung vollständig in speziellen Schulen (z.B. Lehrwerkstätten) zu absolvieren.

Drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung mit eidg. Fähigkeitszeugnis. Mit der abgeschlossenen drei- oder vierjährigen beruflichen Grundbildung stehen eine Reihe von Bildungsangeboten auf der Tertiärstufe offen: z.B. eidg. Berufsprüfungen (BP), höhere Fachprüfungen (HFP) oder höhere Fachschulen (HF).

Zweijährige berufliche Grundbildung mit eidg. Berufsattest. Für schulisch Schwächere gibt es seit Einführung des Berufsbildungsgesetzes 2004 die Möglichkeit, eine zweijährige berufliche Grundbildung abzuschliessen, in der einfachere, praktisch orientierte Tätigkeiten vermittelt werden. Treten bei der lernenden Person Schwierigkeiten auf, so wird sie mit einer individuellen Begleitung unterstützt. Inhaber/innen einer zweijährigen beruflichen Grundbildung mit eidg. Berufsattest können - je nach Möglichkeit des Berufsfelds - eine drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung besuchen. Die bereits erworbenen Fähigkeiten werden bei der weiteren Bildung angerechnet.

Berufsmaturität. Die eidg. Berufsmaturität ergänzt die drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung mit eidg. Fähigkeitszeugnis mit einer erweiterten Allgemeinbildung. Sie kann lehrbegleitend oder nach Abschluss der beruflichen Grundbildung in einem Vollzeitlehrgang abgeschlossen werden. Inhaber/innen eines eidg. Berufsmaturitätszeugnisses sind zu einem prüfungsfreien Zugang zu einer Fachhochschule und mit der Absolvierung einer Ergänzungsprüfung zum Zugang an alle Universitäten und eidg. Hochschulen berechtigt. Mit der Berufsmaturität haben jene Schülerinnen und Schüler eine Alternative, die schulische Ziele und den Wunsch nach einer Ausbildung in der Arbeitspraxis auf einen Nenner bringen wollen.

Gymnasium und weiterführende Schulen. Die Gymnasien oder die Mittelschulen sind neben der Berufsbildung der zweite klassische Bildungsweg auf der Sekundarstufe II. Daneben besteht eine Reihe von anderen schulischen Bildungsangeboten z.B. Fachmittelschulen und Handelsmittelschulen.

Übrige Ausbildungen. Ein weiterer Bildungsweg auf der Sekundarstufe II stellen alle Berufsausbildungen und Schulen dar, die nicht im Berufsbildungsgesetz geregelt sind. Es handelt sich vor allem um Ausbildungen in den Bereichen Tourismus, Sport (Fussballer/Tänzerin) und Kunst (private Kunstschulen). In vielen dieser Schulen sind zurzeit Bestrebungen im Gange, anerkannt zu werden.

Arbeitsstelle. Knapp 10 Prozent (2005) der Schulabgänger/innen in der Schweiz beginnen keine nachobligatorische Ausbildung. Es ist ein Ziel, diese Quote möglichst tief zu halten. Aus diesem Grund ist den jungen Menschen in aller Regel davon abzuraten, direkt in die Arbeitswelt einzusteigen. Vor allem bei ausländischen Jugendlichen ist die Tendenz, keine Ausbildung zu beginnen, am stärksten: Mögliche Gründe sind schlechte Schulleistungen, allgemeine Unlust oder kurzfristiges Denken. Bis ins Jahr 2002 waren es bei allen Schulabgängern und -abgängerinnen mehr Frauen, die keine nachobligatorische Ausbildung antraten. Seit 2003 hat sich das Bild gekehrt, knapp 2 Prozent mehr Männer als Frauen beginnen keine Ausbildung nach der obligatorischen Schule. In besonderen Fällen können Jugendliche andere Optionen wahrnehmen, z.B. den Spitzen- resp. Berufssport.


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