Im Jahre 2005 haben 24'000 jugendliche Personen eine Zwischenlösung der kantonalen Berufsbildung oder der Arbeitslosenversicherung (AVIG) besucht. Ein Drittel hat ein rein schulisches Angebot besucht. Ein Viertel ging in ein kombiniertes Angebot, das zusätzlich zu einem Bildungsteil auch einen Praktikumsteil enthält. Ein Drittel nahm an einem Motivationssemester der Arbeitslosenversicherung teil, welches ebenfalls sowohl praktische Elemente als auch Bildungsteile enthält. Das konkrete Angebot an Zwischenlösungen variiert je nach Kanton.
Schulische Vorbereitungsangebote. Bei den schulischen Angeboten geht es ausschliesslich um die Vermittlung von Allgemeinbildung ohne Praxisteile. Dabei handelt es sich oft um 10. Schuljahre, Berufswahljahre und Berufsvorbereitungsschulen (92%) sowie Integrationsklassen und -kurse (7%).
Kombinierte Vorbereitungsangebote. Ein kombiniertes Vorbereitungsangebot besteht aus einem Bildungsteil, der entweder mit einem externen Praktikumsteil in einem Betrieb oder mit einem internen Praktikumsteil ergänzt wird. Die Inhalte der kombinierten Vorbereitungsangebote unterscheiden sich von Kanton zu Kanton sowie von Massnahme zu Massnahme. Die kombinierten Vorbereitungsangebote, die am häufigsten eingesetzt werden, bestehen aus einer schulischen Ausbildung an zwei bis drei Tagen pro Woche, ergänzt um praktische Arbeitseinsätze (in Form eines Praktikums in einem Betrieb oder praktischer Ausbildungselemente in der Massnahme) während den übrigen Wochentagen.
Daneben gibt es auch kombinierte Massnahmen. Hier sind die praktischen Ausbildungselemente stärker auf bestimmte Berufsfelder ausgerichtet, häufig mit Fokussierung auf soziale, medizinische oder hauswirtschaftliche Themen (Hauswirtschaftsjahre und Sozialjahre).
Vorlehren. Die Vorlehren sind den kombinierten Vorbereitungsangeboten ähnlich. Sie enthalten im Allgemeinen einen Ausbildungsteil (1.5 bis 3 Tage wöchentlich) und einen berufsorientierten praktischen Teil zur Vorbereitung auf eine berufliche Grundbildung (1.5 bis 3 Tage wöchentlich). Der praktische Teil erfolgt meistens in einem Betrieb. Selten wird er auch durch den Anbieter des schulischen Ausbildungsteils wahrgenommen.
Vorkurse. Lediglich in vier Kantonen werden gemäss Angaben der zuständigen Berufsbildungsämter 2005 Vorkurse angeboten, die den Vorlehren ähnlich sind. Letztlich geht es sowohl bei den Vorkursen als auch bei den Vorlehren darum, den Teilnehmer/innen in bestimmten Berufsfeldern entsprechende Kenntnisse zu vermitteln, damit sie anschliessend in der Lage sind, eine berufliche Grundbildung oder Attestausbildung in diesem Berufsfeld anzutreten.
Werkjahre. Auch die Werkjahre bestehen aus einem Bildungsteil und einem Praktikumsteil, wobei der Praktikumsteil nicht in einem Betrieb sondern intern innerhalb des Werkjahres erfolgt. Die Werkjahre dienen je nach Angebot unterschiedlichen Zwecken: der Förderung der Integration Jugendlicher, der Vorbereitung auf eine handwerkliche Berufsausbildung oder der generellen Förderung handwerklicher Fähigkeiten.
Motivationssemester. Nach Artikel 64a und 64b des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (AVIG) erstattet die Arbeitslosenversicherung den Organisatoren die Kosten für die Durchführung von Motivationssemestern. Die Motivationssemester sind Beschäftigungsmassnahmen für Versicherte, die nach Abschluss der schweizerischen obligatorischen Schulpflicht einen Ausbildungsplatz suchen. Im Gegensatz zu den anderen Beschäftigungsmassnahmen der Arbeitslosenversicherung geht es bei den Motivationssemestern nicht darum, die jugendlichen Arbeitslosen unmittelbar in den Arbeitsmarkt einzugliedern, sondern ihnen eine Lehrstelle bzw. einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. Die Motivationssemester beinhalten schwergewichtig unterschiedliche Formen von Praktika sowie oft auch eine schulische Komponente. In der Regel sind Bewerbungstrainings Teil der Ausbildung innerhalb der Motivationssemester.
Insgesamt wurden in der Schweiz im Jahr 2005 über 60 verschiedene Motivationssemester der Arbeitslosenversicherung angeboten. Die Dauer der Massnahme beträgt grundsätzlich sechs Monate, kann aber ausnahmsweise auf zwölf Monate verlängert werden. Insgesamt nahmen 5'943 Personen im Jahr 2005 an einem (oder mehreren) Motivationssemester teil. Davon waren lediglich 18 Prozent unter 17 Jahre alt. Rund 70 Prozent aller Teilnehmer/innen waren zwischen 17 und 19 Jahre alt. Die Motivationssemester werden somit in der Mehrheit der Fälle nicht direkt nach Ende der obligatorischen Schulzeit besucht. Umgekehrt werden arbeitslose junge Erwachsene über 20 Jahren nur noch selten in Motivationssemester gesendet. Mehrheitlich werden bei diesen Jugendlichen seitens der Arbeitslosenversicherung die klassischen arbeitsmarktlichen Massnahmen (Beschäftigungsprogramme, Kurse aller Art etc.) angewendet.
Sprachen lernen. Das klassische Beispiel in der deutschen Schweiz ist das Welschlandjahr, bei dem es darum geht, eine andere Region und Kultur kennenzulernen und die französische Sprache zu lernen. Die Arbeit (z.B. in einem Haushalt) und der Besuch eines Sprachkurses werden kombiniert. Neben den Sprachaufenthalten in den anderen Landesteilen werden auch im Ausland solche im Rahmen von Zwischenjahren absolviert.
Quelle: Egger, Dreher & Partner AG: Vertiefungsstudie Bildungsangebote im Übergang von der obligatorischen Schule in die Berufsbildung, April 2007. Erstellt im Auftrag des BBT.
Literaturhinweise
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DBK: Lexikon der Berufsbildung, DBK, Luzern 2006
Egger, Dreher & Partner AG: Vertiefungsstudie Bildungsangebote im Übergang von der obligatorischen Schule in die Berufsbildung: Bericht im Auftrag des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie, BBZ, Bern 2007
Egli R.: Ich mach was aus mir, Lehr- und Arbeitsmittel für das 10. Schuljahr, SVB, Zürich 2006
Lex T. et al.: Übergangsmanagement: Jugendliche von der Schule ins Arbeitsleben lotsen: ein Handbuch aus dem Modellprogramm Kompetenzagenturen, Deutsches Jugendinstitut, München 2006
Niderberger J.M.: Brückenangebote: Struktur und Funktion: die Rolle von Geschlecht und Nationalität : Projekt im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms Bildung und Beschäftigung, Schweizerisches Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien, Neuchâtel 2003
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