Eine Zwischenlösung baut eine Brücke zwischen Schule und Beruf. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Bei bestimmten Berufen sind es besondere fachliche Voraussetzungen, die verlangt werden und nach der obligatorischen Schule nachgeholt werden müssen. In anderen Fällen sind es die Jugendlichen selbst, die wegen fehlender Reife oder ungenügendem schulischem Rucksack nicht in der Lage sind, eine berufliche Grundbildung zu beginnen. Viele müssen aber ein Brückenangebot in Anspruch nehmen, weil sie keine Lehrstelle finden.
Rahmenbedingungen. Die Nutzung der Brückenangebote kann problematisch sein, wenn sie in Anspruch genommen werden, ohne dass ein triftiger Grund dazu besteht. Deshalb sollten unbedingt folgende Punkte beachtet werden:
- Wenn immer möglich, sollen die Jugendlichen in eine reguläre berufliche Grundbildung integriert werden, sofern notwendig, mit gezielter zusätzlicher Unterstützung.
- Dafür ist die Bereitschaft der Lehrbetriebe notwendig, Lernenden direkt im Anschluss an die obligatorische Schule in die Lehre zu nehmen, d.h. einen vielleicht weniger reifen Jugendlichen als Lernenden zu akzeptieren.
- Brückenangebote dienen ausdrücklich der Vorbereitung auf eine berufliche Grundbildung und nicht als Warteschlaufe für Jugendliche, die sich nicht entscheiden können.
- Bei Lehrbetrieben und Berufsfachschulen soll das Verständnis und die Sensibilität für die Situation von Jugendlichen mit Schwierigkeiten gefördert werden.
Massnahmen für einen besseren Einstieg in die berufliche Grundbildung. Mitte der 90er-Jahre wuchs in der Schweiz die Anzahl Jugendlicher, die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz hatten. Als Reaktion darauf wurde eine Vielzahl an Massnahmen ergriffen. Diese umfassten die Verbesserung der Berufsbildung im Rahmen des neuen Berufsbildungsgesetzes, die Förderung und Erweiterung des Lehrstellenangebots und die Bereitstellung von Angeboten für betroffene Jugendliche. Neben privaten und kostenpflichtigen Anbietern werden diese Angebote hauptsächlich durch die Bildungs- und Arbeitsmarktbehörde bzw. durch deren Gesetzgebung geregelt.
Fast ein Viertel tritt eine Zwischenlösung an. Seit der Jahrhundertwende hat eine zunehmende Zahl von Jugendlichen am Ende der obligatorischen Schulzeit oder nach dem Abbruch einer beruflichen Grundbildung Schwierigkeiten, eine weiterführende schulische oder berufliche Ausbildungsmöglichkeit zu finden. Rund drei Viertel aller Schulabgänger/innen treten direkt nach Ende der obligatorischen Schulzeit eine schulische oder berufliche Ausbildung an. Der Grossteil der übrigen Schulabgänger/innen tritt in eine Zwischenlösung ein, wobei es sich mehrheitlich um Zwischenlösungen der Berufsbildung handelt. Die Zwischenlösungen der Arbeitslosenversicherung (die so genannten Motivationssemester) werden in erster Linie von Jugendlichen genutzt, deren Schulaustritt schon länger als ein Jahr zurück liegt.
Einige schaffen den Einstieg nicht. Trotz des bestehenden Angebots an Zwischenlösungen gibt es jedes Jahr eine Kohorte von rund 2'000 bis 2'500 Schulabgänger/innen, die den Einstieg in eine Ausbildung der Sekundarstufe II oder ins Erwerbsleben dauerhaft nicht schafft. Diese Kohorte weist ein hohes Risikopotenzial auf, wiederkehrend oder dauernd auf Unterstützungsleistungen der sozialen Sicherungssysteme angewiesen zu sein. Sie entspricht rund 2.5 bis 3 Prozent aller Schulabgänger/innen.
Das Risiko für einen problematischen diskontinuierlichen Verlauf ist ungleich verteilt: insbesondere Jugendliche mit niedrigem Schulabschluss und solche mit Migrationshintergrund sind davon betroffen. Über diese Merkmale hinaus ist über die betroffenen Jugendlichen jedoch wenig bekannt. Insbesondere fehlt das Wissen über die Wahrnehmung der Situation durch die Jugendlichen selbst, über ihre subjektiven Einschätzungen von Belastungen, ihre Handlungslogik und ihre Bewältigungsstrategien.
Quellen:
- Egger, Dreher & Partner AG: Vertiefungsstudie Bildungsangebote im Übergang von der obligatorischen Schule in die Berufsbildung, April 2007. Erstellt im Auftrag des BBT.
- Müller Brigitte, Motivationssemester ein Angebot für Jugendliche im Übergang in Berufsbildung und Arbeitsmarkt. Hrsg. Institut für Kinder- und Jugendhilfe, Basel, Februar 2007.
Literaturhinweise
BFS: Wege in die nachobligatorische Ausbildung: die ersten zwei Jahre nach Austritt aus der obligatorischen Schule: Zwischenergebnisse des Jugendlängsschnitts TREE, BFS, Neuchâtel 2003 (Bildungsmonitoring Schweiz)
DBK: Lexikon der Berufsbildung, DBK, Luzern 2006
Egger, Dreher & Partner AG: Vertiefungsstudie Bildungsangebote im Übergang von der obligatorischen Schule in die Berufsbildung, April 2007. Erstellt im Auftrag des BBT.
Müller Brigitte, Motivationssemester ein Angebot für Jugendliche im Übergang in Berufsbildung und Arbeitsmarkt. Hrsg. Institut für Kinder- und Jugendhilfe, Basel, Februar 2007.
Egli R.: Ich mach was aus mir, Lehr- und Arbeitsmittel für das 10. Schuljahr, SVB, Zürich 2006
Lex T. et al.: Übergangsmanagement: Jugendliche von der Schule ins Arbeitsleben lotsen: ein Handbuch aus dem Modellprogramm Kompetenzagenturen, Deutsches Jugendinstitut, München 2006
Niderberger J.M.: Brückenangebote: Struktur und Funktion: die Rolle von Geschlecht und Nationalität : Projekt im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms Bildung und Beschäftigung, Schweizerisches Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien, Neuchâtel 2003
Stalder B., Schmid E.: Bildungsplanung und Evaluation, Lehrvertragsauflösungen, ihre Ursachen und Konsequenzen, Ergebnisse aus dem Projekt LEVA, Erziehungsdirektion des Kantons Bern, Bern 2006





