Die Lissabon-Agenda der Europäischen Union (EU) formulierte im Jahr 2000 folgendes Ziel: Bis ins Jahr 2010 soll die EU zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt werden.
Dieses Ziel wird einerseits im Hochschulbereich in der Erklärung von Bologna zur Schaffung eines Europäischen Hochschulraums umgesetzt, andererseits im Berufsbildungsbereich durch den Kopenhagen-Prozess (die Schweiz beteiligt sich an diesem Prozess aktiv auf Expertenebene).
In beiden Prozessen geht es darum, Durchlässigkeit, Transparenz und Mobilität im Bildungsbereich zu garantieren. Als Instrument dazu dient für die universitäre Ausbildung das so genannte European Credit Transfer System (ECTS). In Anlehnung dazu wird für die berufliche Bildung ein eigenes Modell anvisiert: European Credits for Vocational Education and Training (ECVET).
Elemente des Kopenhagen-Prozesses
Nationaler Qualifikationsrahmen: Die einzelnen europäischen Staaten erarbeiten einen nationalen Qualifikationsrahmen (National Qualification Framework NQF). Dieser ist in Kompetenzfelder und Niveaus unterteilt.
Kompetenzen-Referenzmodell: Parallel zum nationalen Qualifikationsrahmen erarbeitet jede Branche ein Kompetenzen-Referenzmodell (Référentiel de Compétence). Darin sind die beruflichen Tätigkeiten, Funktionen und Prozesse beschrieben, die dem jeweiligen Berufssektor eigen sind, sowie die Kompetenzen, die benötigt werden, um die entsprechenden Berufe auszuüben. Dabei werden die Kompetenzen berücksichtigt, die sowohl formell (Abschluss eines standardisierten Bildungsangebotes wie z.B. Diplom einer höheren Fachschule) als auch informell erworben worden sind (Validation des acquis - Anerkennung von Lernleistungen). In der Folge werden diese Kompetenzen mit Punkten versehen und in das entsprechende Niveau und Kompetenzfeld des Nationalen Qualifikationsrahmens eingefüllt.
Europäischer Qualifikationsrahmen: Damit die einzelnen nationalen Qualifikationsrahmen (NQF) untereinander vergleichbar werden, dient der europäische Qualifikationsrahmen (European Qualification Framework EQF) als Referenz. Die nationalen Qualifikationsrahmen werden sozusagen in den europäischen Qualifikationsrahmen übersetzt. Entsprechend gibt es eine Übersetzung der Referenzpunkte in das europäische Kreditpunktesystem ECVET. Durch die Vergleichbarkeit der Systeme wird die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen international möglich.
Weitere Instrumente auf europäischer Ebene
Europass: In dieses Dokument werden alle formell und informell erworbenen Kompetenzen sowie alle Abschlüsse eingetragen, die eine Person erworben hat. Dadurch wird ihr gesamter Bildungswerdegang dokumentiert.
Diplomzusatz: Es handelt sich um ein Ergänzungsblatt zum Europass, das die Kompetenzen, die mit einem Abschluss verbunden sind, auflistet. Dies vereinfacht die Übertragung in den nationalen Qualifikationsrahmen (NQF).
Literaturhinweise
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