1.8.3 Die verschiedenen Qualifikationsverfahren


Für jeden Beruf sind die gültigen Bestimmungen in der entsprechenden Verordnung über die berufliche Grundbildung definiert, beispielsweise: Die Durchführungsform hängt unter anderem ab vom Aufbau des Bildungsplans (z.B. in sich abgeschlossene Bildungseinheiten), den Ansprüchen des Berufsfeldes (z.B. gleiche Prüfung an allen Bildungsorten).

Zentrale Verfahren. Bestehen aus vorgegebenen Qualifikationsteilen, die von allen Lernenden unter den gleichen Voraussetzungen zu bestehen sind. Die Aufgaben werden von einer zentralen Stelle auf Grund der Leistungsziele im Bildungsplan erarbeitet.
Eigenheiten: Dezentrale Verfahren. Bestehen aus Qualifikationsteilen, die auf örtliche Verhältnisse abgestimmt sind. Die Aufgaben werden auf Grund der Leistungsziele im Bildungsplan zusammengestellt.
Eigenheiten: Abschliessende Verfahren. Das Qualifikationsverfahren findet in Form von Prüfungen am Schluss der beruflichen Grundbildung statt.
Eigenheiten: Teilprüfungen. Das Qualifikationsverfahren wird in Teilprüfungen, verteilt auf die gesamte berufliche Grundbildung, durchgeführt.
Eigenheiten: Andere Qualifikationsverfahren. Als andere Qualifikationsverfahren gelten Verfahren, die in der Regel nicht in Bildungserlassen festgelegt, aber geeignet sind, die erforderlichen Qualifikationen festzustellen. Diese Verfahren können für bestimmte Personengruppen standardisiert und in den massgebenden Bildungserlassen geregelt werden.

Erfahrungsnoten. Für die Gesamtbeurteilung von Qualifikationsverfahren können auch Erfahrungsnoten berücksichtigt werden. Sie widerspiegeln die Leistungen nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern über einen längeren Zeitraum und werden damit dem Lernfortschritt gerecht. Erfahrungsnoten spielen zum Beispiel in der Berufsfachschule eine grosse Rolle. Aber auch im Lehrbetrieb werden sie immer wichtiger. Bei der individuellen Projektarbeit im Betrieb bewerten die Berufsbildner/innen zusätzlich zum Ergebnis auch den Prozess. Die Arbeits- und Lernsituationen oder Prozesseinheiten in der kaufmännischen Grundbildung sind ebenfalls Beispiele für eine Prozessbeurteilung. Auch im Gesundheitsbereich werden prozessorientierte Beurteilungsverfahren angewendet. Die verschiedenen Erfahrungsnoten werden grundsätzlich separat in einem eigenen Qualifikationsbereich zusammengefasst und dargestellt.

Quelle: Handbuch betriebliche Grundbildung, DBK 2006


Literaturhinweise

Amos J., Amsler F., Martin M., Metzger C.: Evaluation von Abschlussprüfungen der beruflichen Grundausbildung: Gelap, Büro für Kommunikation, Basel 2004

Borner H., Obrist W., Röllin W., Frei K.: Handbuch für Expertinnen und Experten in Qualifikationsverfahren der beruflichen Grundbildung: Hinweise und Instrumente für die Praxis, DBK, Luzern 2006
www.cms.sibp.ch/user_doc/Interak_Handbuch_06-04-05.pdf

DBK. Empfehlungen für die Durchführung der Lehrabschlussprüfungen/Qualifikationsverfahren in den deutschsprachigen Kantonen der Schweiz, DBK, Luzern 2004

DBK: Handbuch betriebliche Grundbildung, DBK, Luzern 2006

DBK: Lexikon der Berufsbildung, DBK, Luzern 2006

Gonon P. et al.: Schlüsselqualifikationen kontrovers: eine Bilanz aus kontroverser Sicht, Sauerländer, Aarau 1996 (Pädagogik bei Sauerländer; 23)

Metzger D., Dörig R., Waibel R.: Gültig prüfen, IWP-HSG, St. Gallen 1998

Obrist W., Städeli C.: Wer lehrt, prüft: aktuelle Prüfungsformen konkret, h.e.p.-Verlag, Bern 2003 (Pädagogik)

Oser F.K., Kern M.: Qualität der beruflichen Bildung: eine Forschungsbaustelle Berufsbildungsforschung Schweiz, h.e.p.-Verlag, Bern 2006 (Berufsbildungsforschung Schweiz ; 2)

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