Die Berufsbildung ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt (Sozialpartner, Berufsverbände, andere zuständige Organisationen und Anbieter der Berufsbildung). Demzufolge wirken verschiedene staatliche und private Akteure in der Berufsbildung, die sie tragen und finanzieren:
Vorbereitung auf die berufliche Grundbildung. Dieses Bildungsangebot bieten die Kantone im Anschluss an die obligatorische Schulzeit an. Jugendlichen werden die Grundlagen für den Beginn einer beruflichen Grundbildung vermittelt. Sie erhalten eine Starthilfe und bereiten sich auf die für sie neuen und unbekannten Anforderungen der Arbeitswelt vor. Die Kosten tragen Kantone, Bund, Gemeinden und die Teilnehmer/innen.
Betriebliche Grundbildung: Im Lehrbetrieb, im Lehrbetriebsverbund, in Lehrwerkstätten, in Handelmittelschulen oder in anderen anerkannten Institutionen. Die Lehrbetriebe tragen den grössten Teil der Bildungskosten, einen Teil tragen die Lernenden. Lehrbetriebe können aber die von den Lernenden erbrachten produktiven Leistungen auf der Habenseite gutschreiben.
Schulische Bildung: Allgemein bildender und berufskundlicher Unterricht: In Berufsfachschulen. Sie bieten die obligatorische schulische Bildung an. Träger sind meist Kantone, manchmal Gemeinden - teilweise auch Berufsverbände oder grosse Lehrbetriebe. Sie erhalten Bundes- und Kantonssubventionen.
Überbetriebliche Kurse. In überbetrieblichen Kurszentren und vergleichbaren Lernorten. Die überbetrieblichen Kurse dauern je nach Beruf einige Tage bis zwanzig Wochen. Träger sind Berufsverbände und Lehrbetriebe (die sich manchmal selber organisieren), mit Subventionen von Kantonen und Bund.
Obligatorische schulische Bildung, Berufsmaturitätsunterricht, Freikurse und überbetriebliche Kurse gelten als Arbeitszeit.
Qualifikationsverfahren. Qualifikationsverfahren ist der Oberbegriff für alle Verfahren, die geeignet sind, festzustellen, ob eine Person über die Kompetenzen verfügt, die in der jeweiligen Verordnung über die berufliche Grundbildung festgelegt sind. Das bedeutendste Qualifikationsverfahren ist die Abschlussprüfung am Ende der beruflichen Grundbildung, möglich sind auch Teilprüfungen. Träger der Qualifikationsverfahren sind Kantone, Bund und die Organisationen der Arbeitswelt.
Literaturhinweise
BBT: Handbuch für die Allgemeinverbindlicherklärung von Berufsbildungsfonds gemäss Art. 60 BBG, BBT, Bern 2006
BFS: Öffentliche Bildungsausgaben 2004 = Dépenses publiques d'éducation 2004, BFS, Neuchâtel 2006
DBK: Handbuch betriebliche Grundbildung, DBK, Luzern 2006
DBK: Lexikon der Berufsbildung, DBK, Luzern 2006
Frick A., Wirz A.: Berufsbildungsökonomie: Stand und offene Fragen, h.e.p.-Verlag, Bern 2005 (Berufsbildungsforschung Schweiz; 1)
Hanhart S., Schulz H.-R.: Lehrlingsausbildung in der Schweiz: Kosten und Finanzierung, Rüegger, Chur, Zürich 1998
Kübler M.: Berufsbildung in der Schweiz: 100 Jahre Bundessubventionen (1884-1984), Biga, Bern 1986
Schweri J. (u.a.): Kosten und Nutzen der Lehrlingsausbildung aus der Sicht Schweizer Betriebe, Verlag Rüegger, Zürich 2003
Wolter S.C.: Schweizer Lehrlinge sind billiger als deutsche, In: Panorama, 2, 2005, 20-22