3.2.1 Vom Betrieb zum Lehrbetrieb


Mitverantworten und Mitgestalten. Die Berufsbildung ist eine gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft und Staat. Der einzelne Betrieb hat die Möglichkeit, sowohl als Lehrbetrieb bei der Ausbildung selbst, als auch als Mitglied einer Organisation der Arbeitswelt bei der Konzeption von Verordnungen über die berufliche Grundbildung mitzuwirken. Er entscheidet mit, wie ausgebildet und was vermittelt wird. Mit der Ausbildung von Lernenden sichern die Unternehmen den eigenen Nachwuchs, den Fortbestand des schweizerischen Berufsbildungssystems und übernehmen damit eine wichtige gesellschaftliche Verantwortung.
Die duale Berufsbildung weist einen hohen Qualitätsstand auf, ist bedarfsgerecht und praxisbezogen und im Vergleich zu allgemein bildenden Schulen kostengünstig.

Berufsnachwuchs mit praktischen Erfahrungen. Das duale Berufsbildungssystem bewährt sich deshalb, weil Jugendliche schon früh in Arbeitsgemeinschaften der Betriebe integriert werden. Sie lernen die Arbeitswelt kennen, in der sie den Hauptteil ihrer beruflichen Grundbildung absolvieren, und haben bereits beim Abschluss praktische Erfahrungen. Der Lerntransfer funktioniert durch das Wechselspiel von Theorie und Praxis. Die Vernetzung der beruflichen Grundbildung mit der Praxis ist auch ein wichtiger Grund dafür, dass die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz relativ gering ist.

Erhalten einer bewährten Tradition. Ein wichtiges Ziel jeder Form der Bildung ist, junge Menschen auf das Arbeitsleben vorzubereiten. Berufsbildung stellt dieses Ziel ins Zentrum ohne jedoch die anderen Zielsetzungen der Bildung wegzulassen. Die Berufsbildung trägt ebenso zur gesellschaftlichen Integration bei und lässt Raum für die Entfaltung der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Flexibles Berufsbildungssystem. Seit dem Bestehen hat die Berufsbildung stets auf veränderte Anforderungen relativ rasch reagiert. Berufe verschwinden, neue entstehen, Bildungskonzepte werden angepasst. Dieses Bildungssystem erfordert eine sorgfältige Bildungsplanung und ist dadurch ein guter Barometer dafür, welche beruflichen Qualifikationen und Kompetenzen in Zukunft Bedeutung haben.

Chance und Investition. Lehrbetriebe geben jungen Menschen die Chance, eine berufliche Karriere zu starten. In Lernende zu investieren, zahlt sich andererseits bereits während der Bildungsdauer aus: Lernende leisten auch produktive Arbeit.

Ein zusammenhängendes, auf die Praxis ausgerichtetes System. Mit der beruflichen Grundbildung, der eidg. Berufsprüfung, der eidg. höheren Fachprüfung, der höheren Berufsbildung und der Fachhochschule steht ein Angebot zur Verfügung, das parallel zur beruflichen Praxis funktioniert und so qualifizierte Berufsleute auf den verschiedenen Niveaustufen, entsprechend den Anforderungen der Wirtschaft, zur Verfügung stellt. Die Ausbildungsplätze in den Betrieben sind auch deshalb besonders wichtig, weil sie das Fundament des gesamten Systems bilden.

Positive Wirkung nach innen. Die Ausbildung junger Berufsleute sichert dem Unternehmen eine ausgewogene Altersstruktur. Der Austausch zwischen Berufsfachschule und Lehrbetrieb sorgt für die kontinuierliche Entwicklung des Know-hows im Lehrbetrieb. Die Auseinandersetzung mit dem Ausbilden selbst, aber auch der zwischenmenschliche Kontakt mit jungen Menschen prägt das Betriebsklima.

Positives Signal nach aussen. Lehrbetriebe glauben an die Zukunft des eigenen Betriebs und ihrer Branche – sie sind am Puls der Zeit. Die Ausbildung von Lernenden stärkt das Image des Unternehmens bei Kunden und Kundinnen, Partnerinnen und Partnern und in der Öffentlichkeit.

Soziale Verantwortung übernehmen. Im schweizerischen Berufsbildungssystem tragen der Staat und die Wirtschaft gemeinsam sowohl eine ökonomische als auch eine gesellschaftspolitische Verantwortung. Daraus ergibt sich die Forderung, das System zu steuern. Dazu gehört, die weitmöglichste Integration aller Jugendlichen in die nachobligatorische Bildung zu gewährleisten, d.h. die Lehrbetriebe müssen genügend Lehrstellen schaffen.

Ein Geben und Nehmen. Die berufliche Grundbildung ist geprägt von einem partnerschaftlichen Gedanken. Lehrbetriebe, die junge Berufsleute ausbilden, investieren einerseits Zeit, Personal und Geld. Andererseits erhalten sie auch etwas zurück, weil die Lernenden – zumindest nach einer gewissen Zeit – produktive Arbeit leisten und zudem frischen Wind in einen Betrieb bringen. Mittel- und langfristig lohnt sich die Investition deshalb, weil gut qualifizierte Arbeitnehmer/innen zur Verfügung stehen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass sich möglichst viele Betriebe an der Bildung von Lernenden beteiligen und so den wohl wichtigsten Beitrag für eine gesicherte Zukunft ihrer Branche leisten.

Quelle: Handbuch betriebliche Grundbildung, DBK 2006


Literaturhinweise

DBK: Handbuch betriebliche Grundbildung, DBK, Luzern 2005

DBK: Handbuch für Ausbildungsverbunde, DBK, Luzern 2002

Frey K.: Prüfen, was man morgen braucht, BIGA, Bern 1991

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